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Kriegserinnerungen
"Im Fadenkreuz"
Der ,,Neue Tag“ sprach mit den Autoren Karl Bösl und
Oskar Duschinger über das Buch ,,Im Fadenkreuz des Krieges“
Warum
hat es über zehn Jahre gedauert, bis Sie ein neues Buch herausgebracht
habt?
Duschinger:
An den Ideen lag es jedenfalls nicht. Wir haben Manuskripte für
drei weitere Bücher in der Schublade. Mit Hilfe unseres neuen
Verlegers und einiger Gönner ist es nun möglich geworden,
unser neues Buch zu veröffentlichen. Es war zudem ein jahrelanger
Recherche-Aufwand nötig, um aus dem Kriegstagebuch von Karl
Bösl ein handfestes Buch zu machen.
Bösl: Wir haben unzählige Stunden zusammengesessen,
überlegt, geschrieben und wieder verändert. Für dieses
Buch habe ich einen schlimmen Teil meines Lebens noch einmal lebendig
werden lassen, was mir manchmal schwer gefallen ist.
Die Erzählung des Buches basiert also auf einem Original-Tagebuch?
Bösl: Richtig. Ich habe mir in den Zeiten des Krieges
und meiner Gefangenschaft immer wieder Notizen gemacht. Irgendwie
war es auch eine Art Seelentröster für mich. Ich habe
diesem Büchlein all das anvertraut, das mich zutiefst bekümmerte.
Während der Invasion der Alliierten an der französischen
Südküste konnte ich es unter Einsatz meines Lebens zum
Glück noch aus einem Bunker retten.
Duschinger:
Für mich waren die Erzählungen meines Freundes Karl manchmal
geradezu unglaublich. Eigentlich ist es ein Wunder, daß er
noch lebt.
Glauben
Sie, dass das Buch ,,Im Fadenkreuz des Krieges“ auch junge
Menschen ansprechen wird?
Duschinger: Davon bin ich überzeugt. Eine fünfseitige
Geschichte in der Zeitschrift ,,Stern“, Nr. 24, lautete: ,Der
Erinnerung eine Zukunft geben´. Fünf ehemalige Wehrmachtssoldaten
des 2. Weltkrieges standen 16 und 17jährigen Gymnasiasten im
Geschichtsunterricht Rede und Antwort. Die Schüler hatten viele
Bücher gelesen über den 2. Weltkrieg, aber nirgends fand
sich eine Antwort auf die Frage: ,Wie war es, als einer von 18 Millionen
Soldaten in den Krieg zu ziehen?´ Nirgends hatten sie die
Frage beantwortet bekommen, was die Soldaten dabei fühlten.
Ich denke, auch Jahrzehnte nach dem Ende dieses schrecklichen Krieges
sollten Einzelschicksale nicht in Vergessenheit geraten.
Bösl: Wir haben keine wissenschaftliche Abhandlung
verfasst, sondern ein Stück tragischer deutscher Geschichte
anhand einer Erzählung lebendig werden lassen. Es soll künftigen
Generationen eine Mahnung sein. Ich habe mich damals regelrecht
anstecken lassen von der Nazi-Propaganda, die uns Ruhm und Ansehen
versprach. Doch meine Begeisterung war schnell vorbei. Als mich
die deutschen Ausbilder bis aufs Blut schikanierten, hatte ich genug
vom Soldatenleben. Doch ich war nun gefangen in der Kriegsmaschinerie
Hitlers und kämpfte von da ab nur mehr ums eigene Überleben.
Duschinger: Der Krieg erfährt in diesem Buch keine
Verherrlichung. Der junge bayerische Marinesoldat ist eher eine
geschundene Figur, die nichts gemein hat mit einem deutschen Elitesoldaten.
Trotzdem ist die authentische Erzählung von der ersten bis
zur letzten Seite ergreifend.
Eine Mark pro verkauftes Buch soll den Opfern des Kosovo-Krieges
zugute kommen...
Bösl: Wir wollen mithelfen, das Leid dieser Menschen
,,vor unserer Haustür“ ein wenig zu lindern. Ich habe
am eigenen Leib miterlebt, was es bedeutet, geliebte Menschen zu
verlieren; Angst und Not zu spüren; hungern zu müssen.
Duschinger: Die Kosovo-Spende aus unserem Bucherlös
ist sicher nur ein Tropfen auf den berüchtigten ,,heißen
Stein“. Aber wir kennen die Vergangenheit und deshalb wollen
wir mithelfen, die Zukunft besser zu gestalten.
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