„Vieles bewegt, wenig bewirkt, aber
manches verändert“
Oskar Duschinger und Dietmar
Zierer stellten ihr gemeinsames Buch vor: „Glanz und Elend
der Maxhütte“
B u r g l e n g e n f e l d „Die Mischung machts“, glauben
die beiden Autoren Oskar Duschinger und Dietmar Zierer. Sie stellten
zusammen mit dem Verleger Max Krempl
das hochaktuelle Buch „Glanz und Elend der Maxhütte“
vor, das im „Lokal“-Verlag erschienen ist. Während
Duschinger die historischen Hintergründe aufzeigt, die Arbeiter,
ihre Erlebnisse und Erfahrungen in den Mittelpunkt stellt, beleuchtet
der Landtagsabgeordnete Zierer – „nicht polemisch und
nicht einseitig“ - im aktuellen Teil die politische Brisanz
der Schließung des Werkes Haidhof nach 137Jahren.
Er hat versucht auch der Staatsregierung gerecht zu werden; „Revanchegedanken
wären völlig unsinnig“. Damit unterscheidet sich
dieses Buch auch von allen anderen bisher erschienenen Publikationen
über die Maxhütte, unterstrich Duschinger bei der Vorstellung.
Der 1. Juli der das endgültige Ende des Werkes Haidhof bringt
ist ein wichtiges Datum, betonte Dietmar Zierer. Die Bevölkerung
des Städtedreiecks könne nicht sang- und klanglos zur
Tagesordnung übergehen. „Das Drama um die Maxhütte
hat vieles bewegt, wenig bewirkt, aber manches verändert“.
Das Maxhütten-Buch ist deshalb gerade noch rechtzeitig erschienen,
um die Öffentlichkeit auf diese wichtige Veränderung aufmerksam
zu machen. Zum Entstehen des Buches, das 615 Seiten umfasst und
für 29,80 Mark in den Buchhandlungen erhältlich ist, bemerkte
der Abgeordnete, daß der Lehrer und Journalist Oskar Duschinger
den ersten Teil gestaltet hat, mit dem Untertitel „Der glanzvolle
Aufstieg der Maxhütte“. Unter Mitarbeit von Karl Bösl
werde darin dem Leser ein umfassender historischer Überblick
geliefert. Diese historische Betrachtungsweise bringe die unglaubliche
Bedeutung der Betriebsstätte für das Leben der Bevölkerung
nahe.
Interessante Vielschichtigkeit
Das Buch hat einen zweiten Schwerpunkt, in dem Zierer die Endphase
der Maxhütte „Alt“ seit 1976 darstellt. Der Untertitel
lautet: „Niedergang und Ende des Werkes“. Darin bezieht
er die letzten aktuellen Entwicklungen mit ein.
Die unsichere Zukunft des Berufsbildungszentrums und die noch nicht
gesicherte Wiederverwendung der Hallen des ehemaligen Kaltwalzwerkes
werden mit erfaßt. Ergänzt wird das Buch durch zehn Lebenserinnerungen
ehemaliger Maxhütte-Arbeiter und zwei Interviews mit den beiden
letzten Betriebsratsvorsitzenden. Verleger und Autoren glauben,
daß gerade die Vielschichtigkeit der Darstellung das Buch
interessant machen. Historische Dimensionen, politische Zusammenhänge
und menschlicher Hintergrund würden ein Spannungsverhältnis
bilden. Im zweiten Teil des Buches werden außerparlamentarische
und parlamentarische Abläufe genau wiedergegeben. Deutlich
werden die Abhängigkeiten von Flick und Klöckner, die
Fehlentscheidungen des Managements, die Tatsache das auch Arbeitnehmervertreter
viel zu spät reagiert haben. Die Abläufe des kapitalistischen
Wirtschaftsystems wurden schlicht unterschätzt. Eine Staatsbeteiligung,
so Zierer, die jetzt bei der Maxhütte „Neu“ Tatsache
ist, hätte zumindest den Verkauf des Kaltwalzwerkes verhindert.
Besonders tragisch empfindet es der Abgordnete, daß die Maxhütte
wenige Jahre vor der Vereinigung Deutschands gescheitert ist. Die
letzten Monate hätten zudem gezeigt, daß auch die Betriebsstätte
Haidhof ohne weiteres konkurrenzfähig wäre.
Die Abläufe des kapitalistischen Wirtschaftsystems wurden schlicht
unterschätzt. Eine Staatsbeteiligung, so Zierer, die jetzt
bei der Maxhütte „Neu“ Tatsache ist, hätte
zumindest den Verkauf des Kaltwalzwerkes verhindert. Besonders tragisch
empfindet es der Abgordnete, daß die Maxhütte wenige
Jahre vor der Vereinigung Deutschands gescheitert ist. Die letzten
Monate hätten zudem gezeigt, daß auch die Betriebsstätte
Haidhof ohne weiteres konkurrenzfähig wäre.
Die Maxhütte und die WAA
Heute hätte ein Eisenwerk in Haidhof beste Marktchancen gerade
wegen der Absatzmärkte im Osten. „Hätte man einen
E-Ofen, eine Stahlgußanlage und zwei Konti - Straßen
überleben lassen, wäre das Werk Haidhof ein Riesengewinn.
Das ist die Tragik der versäumten Zeit oder die Tragik falscher
Entscheidungen zur falschen Zeit“. Die WAA, so läßt
Zierer nicht unerwähnt, hat bei der Maxhütte das Genick
gebrochen und zwar gleich zweifach. Zunächst hieß es:
„Lieber eine WAA, als ständige Geldspritzen für
die Maxhütte“. Nach dem Aus für die WAA, habe die
Attraktivität des Industriegländes in Wackersdorf die
Wiederverwendbarkeit des Industriegeländes in Haidhof in den
Schatten gestellt.- Oskar Duschinger hat sich in die Lage der Maxhütte-Arbeiter
gut hineinversetzen können. Großvater und Vater haben
im Eisenwerk gearbeitet, das „Pulsieren des Werkes“
miterlebt. Es sollte nach seinen Worten ein Buch entstehen, das
die wirkliche Geschichte des Arbeiterleben in dieser großen,
bedeutenden und - wie es ein Arbeiter formuliert „menschenfressenden“
Eisenfabrik widerspiegelt. Es ist gespickt mit Daten, Fakten und
Zahlen; außerdem wird ein Stück brauner Vergangenheit
aufgerollt. Dieses Buch, so Duschinger, soll auch in späteren
Jahren noch in Erinnerung halten welche Bedeutung die Maxhütte
für die Region hatte, was es bedeutete Maxhütte- Arbeiter
zu sein.